Schritt 1: Einladung und Terminplanung
Der Ablauf beginnt in der Regel mit einer E-Mail. Wenn der Arbeitgeber Ihre Bewerbung in seinem ATS in eine Interviewphase verschiebt, erstellt Intrvio ein Interview für Sie und sendet einen eindeutigen Link. Der Link ist nur einmal verwendbar, sodass niemand an Ihrer Stelle teilnehmen kann und er nicht erneut verwendet werden kann.
Die meisten Interviews sind asynchron, Sie erhalten also einen Link, den Sie innerhalb von 72 hours nach Ihrem eigenen Zeitplan abschließen. Einige Arbeitgeber nutzen für Qualifikationsrunden einen festen Termin, und in diesem Fall sehen Sie einen echten Termin mit einem Link zum Hinzufügen in den Kalender. Die Einladung nennt Ihnen die Interviewdauer, die Sprachoptionen sowie welche Transparenz- und menschlichen Überprüfungsrechte Sie haben.
Schritt 2: Einrichtung von Kamera, Mikrofon und Umgebungsprüfung
Wenn Sie auf den Link klicken, führt Sie Ihr Browser durch einen Einrichtungsbildschirm. Dabei werden drei Dinge geprüft: dass Ihr Mikrofon funktioniert (mit einer Pegelanzeige), dass Ihre Verbindung stabil genug ist und optional, dass Ihre Kamera im Bild ist. All dies ist browserbasiert, sodass Sie nichts installieren müssen.
Derselbe Bildschirm zeigt einen Bewerberhinweis: eine verständliche Erklärung, welche Daten erfasst werden und wie sie verarbeitet werden. Die EU-KI-Verordnung gibt Bewerbern das Recht auf eine Erläuterung der wesentlichen Elemente von Entscheidungen, die durch KI-Systeme getroffen werden, daher sehen Sie dies im Voraus. Sie können den Hinweis herunterladen oder eine Löschung verlangen, bevor das Interview beginnt.
Schritt 3: GAIA führt das Gespräch
Wenn Sie bereit sind, beginnt das Interview. GAIA, unser KI-Sprachinterviewer, stellt sich vor, erklärt, was Sie erwartet, und stellt dann die erste Frage. Von diesem Moment an ist es ein ganz normales Gespräch.
Drei Dinge unterscheiden GAIA von einem Skriptvorleser. Erstens der Sprecherwechsel in Echtzeit: GAIA sagt voraus, wann Sie fertig sind, und unterbricht Ihre Antwort nicht. GAIA lässt mitten im Satz mehrere Sekunden Stille zu, weil eine Pause nicht als Ende verstanden wird. Zweitens hält GAIA inne und hört zu, wenn Sie mitten im Satz dazwischengehen, um etwas zu klären. Drittens sind Nachfragen echt und nicht vorgefertigt, denn ein Modell greift Ihre Antwort zur 'prinzipiengeleiteten Debatte' auf und geht tiefer.
Eine technische Feinheit: Die Latenz wird kontinuierlich gemessen. Zwischen Ihrer Antwort und der nächsten Äußerung von GAIA liegen in der Regel weniger als 800 ms. Das menschliche Gehirn nimmt Sprache bei etwa 300 ms als durchgehend wahr, und gute KI-Sprachinterviewer streben diesen Bereich an. Dieser Rhythmus sorgt dafür, dass sich das Interview wie ein Gespräch anfühlt und nicht wie eine Umfrage.
Während das Interview voranschreitet, erledigt GAIA im Hintergrund zwei Dinge: GAIA erstellt ein Transkript, das genau festhält, was Sie gesagt haben, und bewertet es anhand der vordefinierten Rubrik. Sie sehen das nicht, Sie führen einfach ein Gespräch.
Schritt 4: Bewertung und Aufsicht
Wenn das Interview endet, erstellt GAIA eine Bewertungskarte in Sekunden, nicht in Minuten. Die Bewertungskarte schlüsselt jedes Rubrik-Kriterium auf, etwa Problemlösung, Kommunikation, Eigenverantwortung und vernetztes Denken, und fügt jeweils eine Punktzahl sowie eine Begründung hinzu, die aus Ihren tatsächlichen Antworten zitiert. Dieses belegbasierte Design ist beabsichtigt, denn ein menschlicher Prüfer kann jede Punktzahl anklicken, um genau zu sehen, woher sie stammt.
Gleichzeitig läuft eine optionale Aufsichtsebene. Wenn der Arbeitgeber sie aktiviert hat, typischerweise für regulierte Branchen oder Rollen mit hohem Risiko, prüft das System die Umgebung: ob mehrere Personen anwesend sind, Hinweise auf Bildschirmfreigabe oder Signale für nicht autorisierte Assistenz-Overlays. Aufsichtssignale beeinflussen die Rubrik-Bewertungen nicht, sie sind Kontext für den menschlichen Prüfer.
Schritt 5: Prüfung durch den Arbeitgeber
Auf der Arbeitgeberseite sieht der Personalverantwortliche oder Recruiter das Interview innerhalb einer Stunde. Der Prüfbildschirm ist dreigeteilt: links die Wiedergabe je Frage (man kann jede Frage anklicken und Ihre Antwort hören), in der Mitte das vollständige Transkript und rechts die KI-Zusammenfassung samt Rubrik-Bewertungskarte.
Eine wichtige Designentscheidung: Rubrik-Bewertungen sind überschreibbar. Wenn ein Personalverantwortlicher der Ansicht ist, dass die Bewertung für 'vernetztes Denken' falsch ist, und eine Begründung hat, kann er sie überschreiben. Die Überschreibung wird in einem signierten Prüfprotokoll erfasst und ist in der Regel Teil des Betreiber-Nachweispakets der EU-KI-Verordnung. Genau dadurch wird die KI zu einem Instrument für Belege und nicht zu einem Entscheidungsträger.
Schritt 6: Ergebnis und Rechte
Die Einstellungsentscheidung liegt beim Menschen, nicht bei GAIA. Abgelehnte Bewerber können den Kanal gemäß Artikel 86 der EU-KI-Verordnung nutzen, um eine Erläuterung zu verlangen, welche Elemente in die Entscheidung eingeflossen sind. In den meisten Fällen kontaktiert Sie das ATS mit den nächsten Schritten. Wenn Sie zusätzliche Transparenz wünschen, kann der Arbeitgeber Ihre Rubrik-Zusammenfassung und die Maßnahmen der menschlichen Prüfung teilen.